Hinter dem Geschäft.

Ingo Brinkmeier
Shopleitung
Ingo Brinkmeier entwickelt seit über drei Jahrzehnten Mode für die ersten Adressen der Branche. Stationen in Produktentwicklung und Produktmanagement bei Jil Sander, Strenesse, Schumacher und Hiltl haben sein Auge geschärft — für Material, Schnitt und die Details, die ein gutes Stück von einem großartigen unterscheiden.
2025 übernahm er als Shopleiter die Leitung des van-Laack-Geschäfts in Hamburg-Eppendorf, das seit 2007 als feste Adresse für exklusive Maßhemden und -blusen sowie persönliche Beratung bekannt ist.
Dabei legt er großen Wert auf eine persönliche Atmosphäre, Zeit für Beratung und einen Service, der weit über den klassischen Verkauf hinausgeht. Heute ist er Ansprechpartner für Männer und Frauen, die Qualität, Passform und Understatement schätzen — und maßgeschneiderte Hemden, Blusen und Anzüge nicht als Luxus betrachten, sondern als Ausdruck von Haltung, Stilbewusstsein und Selbstverständlichkeit im Alltag.
Zehn Fragen an Ingo Brinkmeier.
Was haben Sie bei Jil Sander gelernt, das Sie heute jedem Kunden weitergeben?
Den Mut zur Reduktion. Jil Sander war kompromisslos — wenn ein Detail nicht gebraucht wird, gehört es nicht ans Hemd. Diese Klarheit prägt mich bis heute. Wenn jemand zu mir kommt und sagt, er möchte ein Hemd „mit allem Drum und Dran", erkläre ich ihm meistens, warum er mit weniger besser aussieht.
Was unterscheidet ein gut gemachtes Hemd von einem großartigen?
Drei Dinge: der Kragen, die Schulter, die Manschette. Der Stoff darf hochwertig sein — das ist die Eintrittskarte. Aber ob ein Hemd auch nach dem zwanzigsten Tragen noch sitzt, entscheidet sich an Stellen, die niemand sieht: am Kragensteg, am Anschnitt der Schulter, am Einfassen der Manschette. Hier trennt sich Konfektion von Maßarbeit.
Wann lohnt sich Maßkonfektion gegenüber Hemden von der Stange?
Sobald jemand merkt, dass selbst sein Lieblingshemd am Hals zu weit oder am Bauch zu eng wird — also bei den allermeisten Männern. Standardgrößen sind ein Kompromiss aus statistischen Mittelwerten. Wer einmal ein Maßhemd getragen hat, fragt sich, warum er es jemals anders gemacht hat. Die ersten beiden sind eine Investition; ab dem dritten ist es einfach Vernunft.
Welche drei Anlässe sollte jeder Mann mit einem Anzug bestreiten können?
Eine Hochzeit, ein Vorstellungsgespräch, eine Beerdigung. Ein gut gemachter, klassisch geschnittener dunkelblauer Anzug deckt alle drei ab — und sechzig weitere Anlässe noch dazu. Mein Rat: bauen Sie auf einem soliden Fundament auf, bevor Sie mit Farben und Mustern experimentieren.
Welchen Stoff empfehlen Sie für einen Maßanzug, wenn jemand nur einen besitzt?
Eine Super-110er-Wolle, mittlere Webart, dunkelblau. Robust genug für den Alltag, fein genug für besondere Anlässe und verzeihlich im Hochsommer wie im Winter. Kaschmir und sehr feine Garne sind verführerisch, aber das ist keine Wahl für den einzigen Anzug — das ist die Wahl für den fünften.
Jil Sander, Strenesse, Schumacher, Hiltl. Was ist die rote Linie durch Ihre Karriere?
Qualität, die sich nicht verkaufen muss, weil sie sichtbar ist — auch ohne Logo. Jede dieser Marken war auf ihre Art ein Gegenentwurf zu lauter Mode. Ich habe in jedem dieser Häuser gelernt, was es heißt, kompromisslos zu sein, ohne arrogant zu werden. Genau diese Haltung versuche ich hier in Eppendorf zu leben.
Welcher Fehler beim Anzugkauf ist Ihnen am häufigsten begegnet?
Die Schulter. Es ist die einzige Naht, die ein Schneider nachträglich kaum korrigieren kann — und gleichzeitig die, an der man einen schlecht sitzenden Anzug zuerst erkennt. Eine Hose mache ich enger, ein Sakko in der Taille passe ich an, einen Ärmel kürze ich. Eine falsche Schulter repariere ich nicht. Wer das einmal verstanden hat, kauft anders.
Was raten Sie einer Frau, die zum ersten Mal Maßkonfektion in Erwägung zieht?
Beginnen Sie mit einer Bluse. Niedrige Einstiegshürde, schneller Aha-Moment, und Sie verstehen sofort, was Sie an Konfektion gestört hat. Wir haben über 400 Stoffe und unzählige Kragen- und Manschettenformen — die Beratung ist immer kostenlos, und Sie verlassen das Geschäft nie mit etwas, von dem ich nicht überzeugt bin.
Wie pflege ich ein hochwertiges Hemd richtig?
30 Grad, Feinwäsche, kein Weichspüler — der ist Gift für Baumwolle. Im feuchten Zustand bügeln, nicht im trockenen. Und das Wichtigste, was die meisten unterschätzen: Hemden gehören auf den Bügel, nicht in die Schublade. Ein gut gepflegtes Maßhemd trägt sich fünfzehn Jahre. Eines, das schlecht behandelt wird, drei.
Was war Ihr schönstes Kundenerlebnis seit der Übernahme?
Ein Herr Anfang achtzig kam vor wenigen Monaten zu uns. Er hatte seit 1968 nur Maßhemden getragen — bei drei verschiedenen Schneidern. Wir nahmen Maß, vier Wochen später Anprobe, und am Ende sagte er nur: „So sitzt das richtig." Wenn jemand mit dieser Erfahrung sagt, dass etwas stimmt — dann hat man seinen Beruf gut gemacht.